Dienstag, September 15, 2026

Kleine Kommunen, große Wende

Das EU-Projekt LOCAL GoGREEN macht Gemeinden fit für die Energiezukunft

Sechs Pionierkommunen in sechs Ländern, acht europäische Partner, ein gemeinsames Ziel: die Energiewende von unten. Das EU-geförderte Projekt LOCAL GoGREEN zeigt, wie ländliche und kleinere Städte die Klimaziele der EU nicht nur verstehen, sondern wirklich umsetzen können.

Brüssel gibt die Ziele vor – aber wer setzt sie um? In vielen Teilen Europas sind es nicht die großen Metropolen, sondern kleine und mittlere Gemeinden, die den Alltag der Menschen prägen und damit auch die Weichen für die Energiewende stellen. Genau hier setzt das Projekt LOCAL GoGREEN an: ein dreijähriges Vorhaben, das im Rahmen des EU-LIFE-Programms gefördert wird und lokalen Behörden das Handwerkszeug geben soll, um ambitionierte Klima- und Energiepläne zu entwickeln und umzusetzen.

Was ist LOCAL GoGREEN?

Der Name ist Programm: „LOCAL“ steht für den dezentralen Ansatz, „GoGREEN“ für die inhaltliche Ausrichtung auf saubere Energie und Klimaschutz. Das Projekt verfolgt einen sogenannten Bottom-up-Ansatz – also von der Gemeindeebene nach oben, nicht umgekehrt. Statt pauschaler Vorgaben aus der Hauptstadt oder aus Brüssel werden die spezifischen Bedürfnisse jeder einzelnen Gemeinde erfasst, analysiert und dann mit gezielter Beratung, Weiterbildung und technischer Unterstützung adressiert.

Konkret soll jede der sechs Pilotkommunen eine sogenannte Integrierte Klima- und Energieplanung (Integrated Climate & Energy Plan, ICEP) entwickeln und dabei aus fünf Kernbereichen jeweils drei Projekte auswählen: **Elektromobilität**, **Energieeffizienz von Gebäuden**, **erneuerbare Energieerzeugung**, **Landschaftsplanung zur Kohlenstoffbindung** und **Energie aus Abfällen**. Für jeden dieser Bereiche werden konkrete Machbarkeitsstudien erarbeitet und eine Projektpipeline aufgebaut, die auch nach Projektende weitergeführt werden kann.

Die sechs Pilotkommunen

LOCAL GoGREEN setzt auf eine bewusst breite geografische Streuung. Die sechs Pilotstandorte repräsentieren unterschiedliche klimatische, wirtschaftliche und administrative Ausgangslagen – und zeigen damit, dass der Ansatz auf verschiedene Kontexte übertragbar ist.

Ormož, Slowenien – Die nordostslowenische Gemeinde mit rund 11.920 Einwohnern liegt in der historischen Weinregion Prlekija, nahe der kroatischen Grenze. Ormož hat bereits einen Klima- und Energieaktionsplan (SECAP) erarbeitet und will bis 2030 seinen CO₂-Ausstoß um 40 Prozent reduzieren. Das Projekt soll helfen, konkrete Maßnahmen daraus abzuleiten.

Dryanovo, Bulgarien – Die Gemeinde Dryanovo ist Teil der Verwaltungsregion Gabrovo. Sie liegt im zentralen Teil des Vorbalkans auf 248,5 Quadratkilometern in einem stark zerklüfteten Gelände mit einer Höhe von 180 bis 640 m. Die schönen Berghänge sind mit gemischten Laubwäldern bedeckt, während die Flüsse Yantra und Dryanovska sanft zwischen Hügeln und Felsen dahinfließen. Die Gemeinde hat 62 Ortschaften und eine Bevölkerung von etwa 10.000 Einwohnern.

Tito, Italien – Das süditalienische Tito in der Basilikata, auf rund 650 Metern Höhe zwischen Ionischem und Tyrrhenischem Meer gelegen, hat etwa 7.100 Einwohner. Der bestehende Klima-Aktionsplan stammt noch aus dem Jahr 2012 und muss grundlegend erneuert werden. Die Gemeinde hat das Bürgermeisterkonvent unterzeichnet und erste Schritte zu einer lokalen Energiegemeinschaft (Renewable Energy Community) eingeleitet.

Ponferrada, Spanien – Mit knapp 64.000 Einwohnern ist Ponferrada die größte der sechs Pilotkommunen. Die Hauptstadt der Region El Bierzo in Kastilien-León war traditionell eine Bergbaustadt und steht exemplarisch für Kommunen im Strukturwandel, die neue wirtschaftliche und energetische Wege suchen.

Antunovac, Kroatien – Die ländliche Gemeinde in der Region Osijek-Baranja besteht aus zwei Dörfern mit zusammen rund 3.700 Einwohnern und gilt offiziell als strukturschwaches Gebiet. Hier ist der Handlungsbedarf besonders groß – und das Potenzial, mit vergleichsweise geringen Mitteln sichtbare Wirkung zu erzielen, ebenfalls.

Albstadt, Deutschland – Die Mittelstadt auf der Schwäbischen Alb in Baden-Württemberg liegt etwa auf halbem Weg zwischen Stuttgart und dem Bodensee. Albstadt bringt eine solide kommunale Infrastruktur mit und soll im Projekt zeigen, wie auch gut aufgestellte deutsche Kommunen ihren Transformationsprozess beschleunigen können.

Wer steckt dahinter? Die Projektpartner

Das Konsortium hinter LOCAL GoGREEN vereint acht Organisationen aus sechs Ländern mit komplementären Kompetenzen:

– LEASP – Lokalna energetska agencija Spodnje Podravje (Slowenien) übernimmt die Koordination. Die regionale Energieagentur aus Ptuj ist seit Jahren in der kommunalen Energieberatung tätig.

– Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR) (Italien) – Italiens nationaler Forschungsrat bringt wissenschaftliche Expertise in den Bereichen Energie und Nachhaltigkeit ein.

– Universität Tartu (Estland) – Eine der führenden Forschungsuniversitäten des Baltikums verantwortet unter anderem die Entwicklung der digitalen Lernplattform.

– Aberon OOD (Bulgarien) – Ein auf nachhaltige Entwicklung spezialisiertes Beratungsunternehmen, zuständig für den bulgarischen Piloten.

– A3e – Asociación de Empresas de Eficiencia Energética (Spanien) – Der spanische Verband der Energieeffizienzunternehmen betreut den Piloten in Ponferrada.

– ENERKON d.o.o. (Kroatien) – Ein kroatisches Ingenieurbüro für Energieberatung, zuständig für den Piloten in Antunovac.

– EIFI-Tech – Europäisches Institut für Innovation-Technologie e.V. (Deutschland) – Das deutsche Institut bringt Expertise in Innovationsmanagement und unterstützt die technische und wissenschaftliche Begleitung des Projekts.

– Dr. Jakob Energy Research GmbH & Co. KG (Deutschland) – Das auf Energieforschung spezialisierte Unternehmen ist für die digitale Kommunikation verantwortlich und Technologietransfer ein und betreut den Piloten in Albstadt.

Wissenstransfer als Herzstück

LOCAL GoGREEN denkt über die sechs Pilotkommunen hinaus. Ein Transnationales Expertengremium (Transnational Expert Group, TEG) berät die lokalen Arbeitsgruppen zu technischen, rechtlichen und finanziellen Fragen. Lokale Arbeitsgruppen (Local Working Groups) in den Gemeinden bringen Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltung an einen Tisch.

Eine mehrsprachige digitale Lernplattform soll das erarbeitete Wissen auch für Gemeinden zugänglich machen, die nicht direkt am Projekt beteiligt sind. Geplant ist zudem ein Transnationales Kommunales Netzwerk als dauerhafte Gemeinschaft des Wissensaustauschs – das mittelfristig in eine Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV) überführt werden soll, um über die Projektlaufzeit von 36 Monaten hinauszubestehen.

Warum LOCAL GoGREEN wichtig ist

Die Energiewende ist kein abstraktes politisches Ziel – sie entscheidet sich in Rathäusern, auf Gemeinderäten und in der täglichen Verwaltungsarbeit. Viele kleine Kommunen scheitern nicht am Willen, sondern an fehlendem Personal, fehlenden Kapazitäten und dem Durchblick im Förderdschungel. LOCAL GoGREEN setzt genau hier an: nicht mit fertigen Lösungen, sondern mit dem Aufbau von Fähigkeiten, die bleiben – lange nach dem Ende der Projektförderung.

LOCAL GoGREEN (Projektnummer 101120811) wird im Rahmen des EU-LIFE-Programms (Förderlinie LIFE-2022-CET-LOCAL) finanziert. Die
Projektlaufzeit beträgt 36 Monate.

Kontakt
European Institute for Innovation – Technology
Stefan Spitzer
Universitätspark 1
73525 Schwaebisch-Gmuend
015789336696
https://www.eifi-tech.eu

Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.

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