Mittwoch, Oktober 7, 2026

Vier Perspektiven. Vier Gespräche.

Folge 3/4: Interview mit Mareike Freund (Klimaschutzmanagerin Universitätsklinikum Tübingen UKT) über die Klimaschutzperspektive

3/4 – Vier Perspektiven. Vier Gespräche.

Gefördert vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, unterstützt das Projekt SustainMed 2.0 den Transfer nachhaltiger Lösungen in die Praxis – für mehr Nachhaltigkeit in Krankenhäusern und Unternehmen. So werden Best-Practice-Beispiele mithilfe digitaler Instrumente identifiziert, sichtbar gemacht und für Kliniken deutschlandweit nutzbar gemacht. Durch die Vernetzung von Kliniken, Unternehmen und Politik sollen nachhaltige Maßnahmen dauerhaft im Versorgungsalltag verankert und damit Ressourcen geschont sowie Emissionen reduziert werden. Der Handlungsbedarf ist hoch: Eine durchschnittliche deutsche Klinik produziert täglich rund acht Tonnen Abfall und verursacht etwa fünf Prozent der Treibhausgasemissionen.

SustainMed 2.0 lebt vom Austausch unterschiedlicher Akteure. In unserer Interviewreihe geben vier Expertinnen und Experten aus den Bereichen Einkauf und Logistik, Medizin, Digitalisierung und Klimaschutzmanagement Einblicke in ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Ideen. Jede Woche erscheint ein Interview mit einer Expertin oder einem Experten aus SustainMed 2.0.

Nach Einkauf und Medizin geht es heute um die Klimaschutzperspektive: Mareike Freund vom Universitätsklinikum Tübingen über Treibhausgasbilanzierung, Kreislaufwirtschaft und was sich in der Praxis bewegt.

Mareike Freund – Klimaschutzmanagerin Universitätsklinikum Tübingen (UKT)

Was gehört zu Ihren Kernaufgaben?
Ich bin für die strategische Nachhaltigkeit am Universitätsklinikum Tübingen verantwortlich. Das heißt bei uns in der Stabsstelle laufen die vielen Maßnahmen und Projekte zusammen. Wir sind viel im Austausch mit den Fachabteilungen, stoßen Projekte an, vermitteln Informationen und versuchen jeden Tag einen Schritt weiterzukommen. Zu den zentralen Aufgaben gehören auch die Treibhausgasbilanzierung, die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts, Koordination und Reporting diverser Gremien und Berichte an den Vorstand. Ebenfalls sind wir stark in der internen Kommunikation tätig, um die Kolleginnen und Kollegen über die laufenden Projekte und Maßnahmen zu informieren und gleichzeitig zu sensibilisieren und motivieren selbst aktiv in Sachen Nachhaltigkeit im UKT-Alltag zu werden.

Was hat Sie persönlich bzw. Ihr Unternehmen/Ihre Einrichtung motiviert, sich in dem Projekt zu engagieren?
Besonders im Bereich Kreislaufwirtschaft von medizinischen Produkten fehlen häufig mögliche Ansätze nachhaltiger zu werden. Grund sind einerseits fehlende Daten der Hersteller und andererseits gesetzliche Herausforderungen, die ein stoffliches Recycling quasi unmöglich machen. Hier sehe ich daher noch eine Menge Potenzial besser zu werden. Der pragmatische Ansatz des Förderprojekts SustainMed hat mich bei der Abschlussveranstaltung sehr überzeugt und wir hatten im Team schnell den Eindruck eine Teilnahme beim Folgeprojekt SustainMed 2.0 kann uns helfen beim Thema Medizinprodukte vorwärtszukommen.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem beruflichen Alltag – auch unabhängig von SustainMed?
Als Klimaschutzmanagerin beschäftigte ich mich quasi ausschließlich mit dem Thema Nachhaltigkeit in meinem beruflichen Alltag – und natürlich auch darüber hinaus versuche ich jeden Tag mein Bestes zu geben meinen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten ;).

Wie war die Ausgangslage in Ihrer Einrichtung, bevor SustainMed 2.0 startete?
Als schwäbisches Klinikum liegt ein sparsamer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen in der Unternehmenskultur. Auch vor Gründung der Stabsstelle Nachhaltigkeit wurden in den Fachabteilungen schon viele Weichen in die richtige Richtung gestellt. Wir mussten zu Beginn unserer Tätigkeit also erstmal nur die vielen vorhandenen Maßnahmen einsammeln und darüber berichten. Das hat uns unter anderem den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Branche Gesundheitsversorgung 2025 eingebracht. Zuletzt wurden wir auch unter den World’s Greenest Hospitals 2026 mit vier von fünf Blättern aufgeführt. Wir sind also schon auf einem sehr guten Weg, haben aber immer noch Potenzial uns zu verbessern.

Woran werden Sie in ein bis zwei Jahren merken, dass sich durch das Projekt etwas bewegt hat?
Wenn es für uns am Universitätsklinikum Tübingen einen konkreten Plan gibt, wie wir den großen Bereich Medizinprodukte nach und nach angehen können, um hier nachhaltiger zu werden, Einwegmaterialien und damit die Abfall-Last zu reduzieren und gleichzeitig die Recyclingquote zu erhöhen. Optimal wäre es auch, dass in der Treibhausgasbilanz abbildbar zu machen und damit erstmalig eine reale Messung möglich zu machen.

Wie gelingt es, Kolleg:innen aus unterschiedlichen Abteilungen für das Thema zu gewinnen? Wo liegen noch Hürden?
Die Motivation ist häufig schon da, besonders bei Personen aus der Patientenversorgung, die Tag ein Tag aus sehen, wie viel Abfall ihre Arbeit und die Patientenversorgung verursacht. Doch besonders im Bereich Medizinprodukte sind nachhaltigere Abläufe häufig mit mehr Arbeitsschritten, komplexeren logistischen Prozessen und gleichzeitig häufig mit Mehrkosten verbunden. Das ist nicht einfach zu rechtfertigen, besonders wenn der Nutzen kaum bis gar nicht messbar ist.

Was wünschen Sie sich von Politik oder Fördergebern, um weiter voranzukommen?
Eine Möglichkeit, Medizinprodukte einem stofflichen Recycling zuzuführen und eine einheitliche Vorgabe an die Hersteller, ihre Emissionen auf Produkt-Ebene anzugeben. Nur so sind eine Vergleichbarkeit und eindeutige Bewertung für die Einkäufer der Kliniken möglich.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projekts und zum Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen allgemein?
Viele Kliniken, die sich beteiligen, Best Practice Beispiele selbst einbringen und die vorhandenen Maßnahmen testen, um so die Netzwerkstrukturen und die Plattform weiter mit Leben zu füllen.

Welchen Satz würden Sie einer Person mitgeben, die noch zögert, sich mit dem Thema zu beschäftigen?
Gerade im Gesundheitswesen lohnt sich jeder Schritt: Was Ressourcen schont, kann gleichzeitig Prozesse verbessern und die Versorgung zukunftsfähiger machen – also einfach anfangen, ausprobieren und gemeinsam Schritt für Schritt besser werden.

Finanziert aus Landesmitteln, die der Landtag Baden-Württemberg beschlossen hat.

Über die BioRegio STERN Management GmbH:
Die BioRegio STERN Management GmbH ist Wirtschaftsentwickler für die Life-Sciences-Branche. Sie fördert im öffentlichen Auftrag Innovationen und Start-ups und trägt so zur Stärkung des Standorts bei. In den Regionen Stuttgart und Neckar-Alb mit den Städten Tübingen und Reutlingen ist sie die zentrale Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer, Unternehmerinnen und Unternehmer.
Die BioRegion STERN zählt zu den großen und erfolgreichen BioRegionen in Deutschland. Alleinstellungsmerkmale sind die bundesweit einzigartige Mischung aus Biotechnologie- und Medizintechnikunternehmen sowie die regionalen Cluster der Automatisierungstechnik, des Maschinen- und Anlagenbaus.

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Bildquelle: Privat

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